Die Chinesische Wasserfolter

Heinz Rudolf Kunze

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    Das letzte Gefühl ist Völlegefühl
    die Mütter triumphieren
    keine Zappelphilippika mehr nötig
    alle sitzen still
    alle essen was unter den Tisch fällt
    im Radio empfehlen sie ruhig Blut
    in der Zeitung die falschen Medikamente
    das Leben das hinter mir liegt
    blau angelaufen
    streckt mir die Zunge heraus
    ich werde geistig behindert
    von der Frau die vor mir kniet
    die ein Staubsauger ist
    ein Apfelstrudel
    eine Hintertreppe ein Notausgang
    satt
    das Land ist satt
    das größte Modekompliment heißt fett
    die Entscheidungsträger sind sachkorpulent
    feiste Ringe unter den Augen
    klink dich ein
    schalt dich zu
    dröhn dich voll
    überall von der gleichen Inschrift ausgebremst
    bitte nicht stören
    mach dir ein paar schöne Stunden
    kenne deine Rechte
    doch wisse nicht was die Linke tut
    bitte jetzt nicht mehr anrufen
    Schluß mit lustig
    die Mehrzahl von Propaganda
    ist wahrlich nicht Propagandhi
    was tragen die Kinder in ihren Schultoleranzen
    wissen sie daß längst schon nicht mehr
    ihre Väter mit ihren Müttern schlafen
    sondern jeder mit seinem Bewacher
    seinem Schwächespitzel
    seinem Schweißhund
    das Piercing meiner Eichel
    verbirgt eine Kamera
    ich spritze schleimige Mikrofilme
    in das Foyer deiner Klitsche
    rund um die Uhr wird
    echte Abwechslung behauptet
    alle Fressesprecher haben Muskelfaselriß
    Romane auf Papiertaschentüchern
    mit Rotz und Wasser illustriert
    gibt es etwas Schlimmeres als
    zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein
    dann gilt keine Ausrede mehr
    ich steptanze barfuß
    in einer riesigen Sanduhr
    Fritz Lang hat sie mir aus dem Fundus
    von Metropolis geliehen
    ich tanze nicht freiwillig
    die Sanduhr wird erhitzt
    über einem Bunsenbrenner von der Größe des Eiffelturms
    ich spanne mein Nachthemd auf
    die Sandkörner glühen im Fallen
    wie Sterne
    kein Mittel gegen den Blutsturz Blues
    auf nach Blankenese
    nach Grünwald und nach Grunewald
    nach Palma und nach Pöseldorf
    ohne Vorwarnung schießen
    Promi-Visagen zerplatzen sehen
    Seifenblasenfratzen
    Bildschirmkrätze
    Leinwand-Lues
    Tonträgertrichinen
    Recht auf Leben hat nur Leben
    nicht diese Lächelfletschzombies
    Bomben auf alle Filmpremieren
    Vernissagen Echo-Verleihungen
    bekämen diese Untoten kein Echo verliehen
    hätten auch ihre Rülpsschwälle
    so wenig einen Schatten wie ihre sonstige Erbärmlichkeit eine
    Spur hinterläßt
    aber wo anfangen wo aufhören
    jede Big Brother Spalte wirft
    einen Warhol
    der neue Terror warnt euch
    jede eurer fünfzehn Minuten Ruhm kommt euch
    teuer zu stehen
    die Grenzen sind fließend
    die Meinungen sind geteilt
    aber jeder der noch etwas wert ist
    ist wenigstens selbsternannt
    wer sollte ihn auch ernennen
    wer wollte ihn auch erkennen
    ich glaube ich ziehe mich zurück
    mir sind die Hände gebunden
    mir sind die Haare gespalten
    und ohnehin ist es nicht meine Sache
    was soll ich noch schalten und walten
    tapfere alte Frauen
    erzählen von harter körperlicher Arbeit
    tapfere junge Frauen
    berichten von hingebungsvoller Aufzucht
    macht nichts beim nächsten Mal
    werden wir keine vergessen
    wir haben verstanden
    wir haben gelernt
    aus ihren Fehlern
    entweder wir oder sie
    behalten Sie Platz
    behalten Sie Nerven
    Sie haben keine Termine mehr
    Sie müssen nirgendwo mehr hin
    Sie sind schon überall
    Sie sind terminiert
    Ihre Herzrhythmusstörung gefällt mir
    damit kann ich was anfangen
    will sagen beenden
    jetzt bin ich beruhigt
    das brennt wie Zunder
    etwas Warmes braucht der Mensch
    dieser Rucksack
    was haben Sie nur in diesem Rucksack
    ein Rucksack muß durch das Land gehen
    Sie bemänteln damit Ihren Buckel
    Sie haben die olympische Fackel gestohlen
    einen Gartenzwerg mit zwei Köpfen
    Ihren allerersten kahlgeküßten Teddybären
    das letzte politische Lied
    sicher fragen Sie sich
    warum ich Sie alle hierhergebeten habe
    verzeihen Sie meine Ausdrucksweise
    Sie sind ja nicht freiwillig hier
    Sie wurden unverhofft aus dem Leben gerissen
    aus dem Kreis Ihrer Lieben
    aus Arbeit und Urlaub
    aus dem Krankenbett die Infusionsschläuche
    tröpfeln noch
    aus den Armen Ihres geldgeilen Lovers
    Sie sind meine Kandidaten
    es geht um nichts Geringeres (gibt es das
    überhaupt) als Ihre Leben
    Sie haben doch sicher schon Tränen gelacht
    beim Anblick strohdummer Quizshows
    ich versichere Ihnen
    das Lachen wird Ihnen vergehen
    machen Sie sich auf alles gefaßt
    drunter tun wirs nicht
    jede falsche Antwort bedeutet den Tod
    wie heißt der Nil mit Vornamen
    und wie die Schwester von Bart Simpson
    wieviel Heringe braucht ein Sauerstoffzelt
    wieviel Sprengstoff der Reichstag
    rotes Lämpchen Pech gehabt
    abführen in den
    Verdauungstrakt eines Aliens
    der Nächste bitte lassen Sie sich Zeit
    für die Antwort wir haben Zeit
    viel viel Zeit
    dieses Pochen
    hören Sie dieses Pochen
    das ist die Chinesische Wasserfolter
    sitzen Sie still
    konzentrieren Sie sich
    kommen Sie nicht aus dem Takt
    das war richtig
    Sie haben gewonnen
    Sie dürfen mich heiraten
    jetzt sofort

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    Información de la canción

    Composición: Heinz Rudolf Kunze, Matthias Ulmer y Heiner Lürig

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