Plastic-Joe

Ulrich Roski

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    Als Josef auf die Welt kam, war sein Lebensweg schon klar
    Er war bereits ein Wrack, als seine Mutter ihn gebar
    Hier fehlte ihm ein Knochen, da ein Muskel aus dem Arm
    Hier ein Stück Nebennierenrinde und da ein paar Meter Darm
    Der Vater sprach zum Arzt: „Der Junge ist mein Lebenszweck
    Ich schaffe keinen zweiten, schmeißt ihn bitte nicht gleich weg!"
    Mit Plastik und mit Gummibändern putzte man ihn raus
    Und am Ende sah der Josef ganz passabel aus
    Und der Vater rief froh: „Ich freu' mich ja so!
    Now let everybody know, we've got a Plastic Joe!"

    Leicht lädiert, doch guten Mutes, wuchs der junge Josef auf
    Beim Kinderfest nahm er auch teil am Eierlauf
    Er wetzte wie ein Wiesel mit dem Löffel in der Hand
    Leider ist er mit dem Auge in den Löffelstiel gerann
    Das Auge war dahin, und verschwommen war sein Blick
    Doch in der Schule half ihm häufig dieses Missgeschick
    War der Lehrer mal verstimmt oder riss ihm die Geduld
    Warf Josef zur Erheiterung sein Glasauge aufs Pult
    Und rief dabei froh: „Ich bin nun mal so1
    And I want you all to know that im a Plastic-Joe!"

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    Als er fünfzehn war, riet ihm sein Vater: „Junge, sei schlau
    Geh hin, such dir am besten einen Job beim Bau."
    Hier trugen alle Männer Helme, bis auf Josef, diesen Tropf
    Und ihm stürzte auch von oben gleich ein Schutzhelm auf den Kopf
    Seine Schädeldecke war davon erheblich demoliert
    Er bekam eine aus Silber, schön verziert und ziseliert
    Die Mörtelmischmaschine, von der Josef nichts verstand
    Verhalf ihm noch zu einer kleidsamen Lederhand
    Und Josef sagte froh: „Ich bin nun mal so1
    And I want you all to know that im a Plastic-Joe!"

    Beim Anblick schöner Frauen wurde Josef stets erregt
    Obwohl in seiner Brust schon längst ein Ottomotor schlägt
    Er selbst hält sich für sexy, doch die Frauen bleiben kühl
    So begnügt er sich mit einer Aufziehpuppe aus Acryl
    Gelegenheit zum Flirt findet man im Karneval
    So ging Josef eines Tages auf den Maskenball
    Beim Demaskieren hieß es: „Nimm die Pappnase ab!"
    Er rief: „Das kann ich nicht, das ist die einz'ge Nase, die ich hab'
    Ich bin nun mal so, und ich bin dabei froh
    And I want you all to know that im a Plastic-Joe!"

    Kommt Josef mal zum Arzt, vertauscht der Doktor ohne Groll
    Gleich seinen weißen Kittel mit dem Overall
    Josef wird auch nie geimpft und schon gar nicht operiert
    Ihm wird höchstens von der Schwester mal ein Nippel abgeschmiert
    Im Grunde wird er auch nie im Leben ernstlich krank
    Abends hängt er leise pfeifend seine Zähne in den Schrank
    Er muss alle zwei, drei Wochen wieder mal zur Inspektion
    Aber sonst fühlt er sich wohl, genau wie Frankensteins Sohn
    Und er ist dabei froh, denn er ist nun mal so
    And that's all what I know about Plastic-Joe

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