So Jung Kommen Wir Nie Mehr Zusammen

Ulrich Roski

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    Bei Gebäck und gutem Wein
    Trifft sich jahraus, jahrein
    Der Akademische Kriegsveteranenverein
    Sie sind noch zu dritt: Rektor, Arzt und Notar
    Den Apotheker hat's leider erwischt letztes Jahr

    Und sie erzähl'n sich, wie es damals war
    Tja, sie war'n schon eine munt're Schar
    Und sie trennten sich niemals in Not und Gefahr
    Sie war'n ein paar Kerle wie Seide und Samt
    Und haben dem Feind manches Bajonett in die Rippen gerammt

    Die Widerstandsnester haben sie tapfer gesprengt
    Und die Partisanen in die Kirche gehängt
    Sie brechen versonnen ein mürbes Biskuit
    Und dann sing'n sie zusammen ein Lied:

    „Wir sind noch so rüstig, so knackig und stramm.
    Kameraden, so jung komm' wir nie mehr zusamm'!"

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    Als man dann aus verklärter Sicht
    Über den Stellungskrieg spricht
    Liegt es nah, dass man auch mal'n Liebeserlebnis einflicht
    Und der rüstige Rektor verrät dem Notar
    Wie er seinerzeit der Liebling der Puffmutter war

    Er war damals noch ein junger Spund
    Und sie war überall so prall und rund
    Bei der Erinn'rung läuft ihm gleich das Wasser aus dem zahnlosen Mund
    Der Notar witzelt neidisch: "Red doch nicht so geschwoll'n
    Die Mutter konnte doch aufrecht aus der Stubentür roll'n."

    Und der Arzt weiß von einer, die war im Dienst der Armee
    Ganz zerknittert und hieß deshalb bei allen Mademoiselle Plissée
    "Ja, die Weiber", seufzt der Rektor und lacht dabei fett
    Und dann sing'n sie noch mal im Terzett:

    "Wir sind noch so rüstig, so knackig und stramm,
    Kameraden, so jung komm' wir nie mehr zusamm'!"

    Es war damals eine schöne Zeit
    Und sie sind immer noch allzeit bereit
    Und denken: Hoffentlich ist es bald wieder soweit
    Der Arzt schwört dem Rektor, dass sie noch mal zuschlagen woll'n
    Dann versuchen beide, den Notar unterm Tisch vorzuhol'n

    Und dann beim Auseinandergeh'n
    Sing'n sie: "Wer weiß, wann wir uns wiederseh'n."
    Doch die Frage ist nicht so sehr wann, sondern ob, - und wenn, wer wen?
    Doch der Geist, der sie beseelt, lebt in jedem Fall über sie hinaus
    Denn diese Art Helden stirbt vorerst nicht aus

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